Aktuelles von SI Deutschland Club Cochem:


Die Zeitschrift EMMA berichtet über Soroptimist International unter der Überschrift:

Beste Schwestern verbessern die Welt

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Die Entwicklung der Weltbevölkerung – Hysterie ist der falsche Ratgeber

Bevoelkerungsentwicklung

2,6 Menschen pro Sekunde, 157 pro Minute, knapp 10.000 in der Stunde, rund 230.000 pro Tag und 80 Millionen im Jahr – die Zahlen zum Anstieg der Weltbevölkerung überschreiten beinahe die Vorstellungskraft. Am 11. Juli ist Weltbevölkerungstag – kein Tag, um zu feiern, sondern einer, um auf die Gefahren des Wachstums aufmerksam zu machen. Denn die Prognosen sind teilweise düster. Hysterie ist dennoch der falsche Ratgeber.



Equal Pay Day 2019

 

Stellungnahme von Gabriele Zorn, Präsidentin Soroptimist International Deutschland


Gleichberechtigung und Lohngleichheit? Weiterhin eine Illusion!
Am heutigen 18. März „feiern“ wir den „Equal Pay Day“ (EPD) – ein Tag, den wir feiern müssen. Denn wahrlich würden wir auf diesen wenig erfreulichen Tag lieber verzichten. Er markiert nämlich den Zeitpunkt, ab dem Frauen in Deutschland statistisch gesehen Geld für ihre geleistete Arbeit verdienen. An den bisherigen 77 Tagen des Jahres 2019 wurden – so die Statistik – lediglich Männer entlohnt. Der sogenannte Gender Pay Gap, also der prozentuale Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von angestellten Männern und Frauen, beträgt sage und schreibe 21 Prozent.
Es geht mir in meiner Stellungnahme nicht darum, Neid oder Missgunst zu schüren, es geht auch nicht um Schuldzuweisungen. Es geht darum, dass sich etwas ändern muss!
Ungerechte Verteilung der Gehälter
Man sollte meinen, dass eine fortschrittliche Gesellschaft in Sachen Gleichstellung und Gleichberechtigung weiter ist. Diskriminierung und Ausgrenzung sollten in allen gesellschaftlichen Bereichen der Vergangenheit angehören. Der „Equal Pay Day“ zeigt, dass das leider nicht den Tatsachen entspricht.
Warum? Der sogenannte Gender Pay Gap beträgt in Deutschland, wie bereits erwähnt, unbereinigt 21 Prozent (EU-Durchschnitt: 16 Prozent). Laut Statistischem Bundesamt stehen dem durchschnittlichen Stundenbruttoverdienst der Männer von 21 Euro ein Wert von 16,59 Euro bei Frauen gegenüber. Sicherlich gibt es strukturelle Gründe und Erklärungen, die dieses Ungleichgewicht herbeiführen. Bevor ich auf diese eingehe, möchte ich Ihnen jedoch den bereinigten Gender Pay Gap näherbringen. Hier werden genau diese unterschiedlichen Gegebenheiten von Männern und Frauen herausgerechnet. Das Ergebnis: Frauen verdienen bei gleicher Tätigkeit und vergleichbarer Qualifikation immer noch sechs Prozent weniger. Für diese Zahl gibt es keine Erklärungen, keine Rechtfertigungen. In meinen Augen ist das blamabel für ein Land, das fortschrittlich und modern sein möchte.
Festgefahrene Strukturen müssen aufgebrochen werden
Noch problematischer, und hierauf möchte ich jetzt näher eingehen, sind festgefahrene strukturelle
und gesellschaftliche Gegebenheiten, die für den derart gravierenden Lohnunterschied von über
einem Fünftel verantwortlich sind. „Dann sollen Frauen doch Berufe wählen, in denen sie mehr
verdienen.“ So oder so ähnlich lauten häufig die Argumente derer, die das Ausmaß der
Ungleichbehandlung nicht in Gänze verstanden haben. Es gibt nämlich etliche Gründe, weshalb
„Argumente“ wie dieses schlicht und ergreifend nicht ziehen.
• Immer wieder werden familienbedingte Auszeiten der Frauen als Begründung für eine
schlechtere Bezahlung ins Feld geführt. Die Kindererziehung oder das Pflegen von
Angehörigen ist nach wie vor Frauensache – und ein wichtiger wie ehrenwerter Dienst an der
Gesellschaft. Folglich ist es so, dass das Einkommen einer Frau mit der Geburt eines Kindes
um über 75 Prozent sinkt, aber dann auch zehn Jahre später immer noch 60 Prozent unter
dem ursprünglichen liegt.
• Selbstverständlich führt auch die Berufswahl zu unterschiedlichen Gehältern, daran soll sich
auch gar nichts ändern. Erschreckend ist allerdings ein Trend, den ZEIT ONLINE in einem
Artikel aus dem vergangenen Jahr beschreibt: Kellner, Friseur, Apotheker oder
Grundschullehrer – in all diesen einst männerdominierten Berufen kam es demnach „vor
oder während der Feminisierung zu einem teils erheblichen Statusverlust“. Was das
bedeutet? Steigt der Frauenanteil, sinkt das Gehalt. Für verschiedene Berufe ist das
statistisch bewiesen, Wissenschaftler sprechen von einer Entwertung bezüglich des
Ansehens und des Gehalts.
• Daran knüpft eine andere Problematik an: die der Stereotypisierung vieler Berufsbilder.
Gängige Stereotype müssen aufgebrochen werden! Das beginnt im Kindergarten, wo
eben nicht nur der Junge, sondern auch das Mädchen Feuerwehr und Polizei spielen darf
und endet in deutschen Dax-Konzernen, in denen es nach wie vor keinen weiblichen
Vorstandschef gibt. Offenbart werden diese Stereotype besonders in den sogenannten
MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Nur 15 Prozent
aller Beschäftigten in diesen Berufen sind weiblich, die Entwicklung stagniert seit 2013
nahezu. Hier möchte ich kurz an Claudia Kessler erinnern, die sich aktiv für Frauen in der
Raumfahrt und MINT-Berufen einsetzt und am 8. März mit dem Soroptimist Deutschland
Preis ausgezeichnet wurde.
Spürbare – und gefährliche – Folgen
Mit etlichen Zahlen ist zu belegen, dass diese strukturellen Gegebenheiten ernsthafte Gefahren
birgen. Unter den 30- bis 50-Jährigen beispielsweise sind 88 Prozent der Männer in Vollzeit
beschäftigt, aber nur 39 Prozent der Frauen. In der gleichen Altersgruppe verfügen 42 Prozent der
Männer über ein Nettoeinkommen von mehr als 2.000 Euro, bei den Frauen sind es zehn Prozent –
Zahlen, die sich dann im Alter drastisch auswirken: Etwa 8,6 Millionen Rentner erhielten Ende 2016
eine Altersrente von weniger als 800 Euro monatlich – 64 Prozent davon sind Frauen!
Unser Fünf-Punkte-Plan zur Beseitigung des Pay Gaps:
Wir von Soroptimist International Deutschland setzen uns seit jeher für die Verbesserung der
Stellung der Frau ein. Deswegen fordern wir:
1) Frauen, vernetzt Euch!
Nutzt endlich die Fähigkeit, die Euch auch abseits der öffentlichen Bühne auszeichnet, und
kooperiert, statt jede für sich zu kämpfen. Sucht Euch Verbündete, bildet oder beteiligt Euch
an Netzwerken (wie z. B. Soroptimist International Deutschland) und gebt Euch gegenseitig
Ratschläge und Selbstvertrauen. Gemeinsam haben wir eine starke Stimme für unsere
Rechte!
2) Männer, unterstützt uns!
Hört auf, die Gleichstellung der Frau als Bedrohung zu empfinden, und erkennt die
Potenziale der Gleichberechtigung, die durch unsere unterschiedlichen Fähigkeiten
entstehen. Übernehmt auch bei der Hausarbeit Verantwortung. Und wenn ein Mann
nachmittags aus dem Büro verschwindet, um sein Kind aus der Kita abzuholen, oder auch im
höheren Management Elternzeit nimmt, sollte das akzeptiert statt belächelt werden!
3) Politiker*innen, engagiert Euch!
Die oben genannten strukturellen Probleme zeigen: Ohne gesetzliche Rahmenbedingungen
ändert sich zu wenig! Belasst es also nicht nur bei Lippenbekenntnissen und schafft endlich
eine echte Gleichstellung zwischen Mann und Frau. Die Frauenquote funktioniert in
Aufsichtsräten, warum also nicht auch in anderen Wirtschaftsbereichen? Gerade die Politik
und der öffentliche Dienst sollten hier mit gutem Beispiel vorangehen! Setzt den „Equal Pay“
endlich per Gesetz durch und belohnt es, wenn Männer und Frauen das Elterngeld und die
Elternzeit in gleichen Teilen in Anspruch nehmen!
4) Unternehmen, traut Euch!
Verankert das Thema „Gleichstellung der Geschlechter“ gleichermaßen in Eurer
Unternehmensphilosophie und in Eurer Geschäftsstrategie und lebt einen echten
Kulturwandel. Realisiert flexible und lebensphasenorientierte Arbeitszeitmodelle, schafft
Lohntransparenz und fördert die individuellen Kompetenzen von Männern UND Frauen.
Auch die „Führung in Teilzeit“ sollte kein Tabu sein!
5) Gesellschaft, verändere dich!
Mach deinen Kindern klar, dass sie alles werden können, was sie wollen, und dass kein
Beruf dieser Welt nur den Jungs/Männern vorbehalten ist. Stärke die individuellen Talente
statt auf das Geschlecht zu achten. Schaffe durch Dialoge, Aktionen, Ideen und Vorbilder ein
Bewusstsein und die Bereitschaft für Veränderung! Denn: Gerechtigkeit sollte im Sinne
ALLER Menschen sein!


Preisverleihung Soroptimist Deutschland Preis 2019

Claudia Kessler
Foto: Astrid Susanna Schulz

Die „bemannte“ Raumfahrt wird in Deutschland scheinbar sehr wörtlich genommen: Elf deutsche Astronauten waren bereits im Weltall – und davon war keine einzige eine Frau! Die Initiative „Die erste deutsche Astronautin“ der Diplom-Ingenieurin in der Luft- und Raumfahrt Claudia Kessler möchte Mädchen und junge Frauen für technologische Berufe und Studienfächer begeistern. Und im Jahr 2020 soll mit der ersten deutschen Frau im Weltall die Ära der rein „bemannten“ deutschen Raumfahrt enden. Für dieses Engagement verleiht Soroptimist International Deutschland den Soroptimist Deutschland Preis 2019 an Claudia Kessler. Das Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro fließt in die weitere Förderung des Projekts „Erste deutsche Astronautin gGmbH“.

 

Die feierliche Preisverleihung fand am Weltfrauentag, Freitag, den 8. März 2019, von 11:00 Uhr bis 14:00 Uhr in der Universitätsaula der Justus-Liebig-Universität Gießen (Ludwigstraße 23, 35390 Gießen) statt.

 


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